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Tornados
in Österreich
Was ist ein Tornado und wie sieht er genau aus? Schon der berühmte Alfred Wegener, der sich in Graz intensiv mit Tornadoforschung beschäftigte, gab 1917 eine Definition für einen Tornado, noch lange bevor man sich in den USA intensiv mit diesem Thema beschäftigte. Ganz ähnlich wie Wegener sieht man das auch heute noch: Ein Tornado ist ein eng begrenzter und größtenteils vertikal verlaufender Luftwirbel, der von einer Konvektionswolke (Cumuluswolke, meist sogar Gewitterwolke) erzeugt wird und den Boden erreicht. Wenn der Boden nicht erreicht wird, bezeichnet man die Erscheinung als Wolkentrichter, Wolkenrüssel oder Wolkenschlauch, englisch Funnel Cloud. Allerdings Vorsicht: Der rotierende Schlauch ist nicht immer in voller Länge sichtbar. Sobald der heftig rotierende Wirbel den Boden (in Form von Wind) aber erreicht hat, ist es ein Tornado, egal ob der Schlauch sichtbar ist oder nicht.
(Litschau im nördlichen Waldviertel, 1966. Der Fotograf ist namentlich bekannt.) Der horizontale Durchmesser von Tornados kann im Bereich zwischen etwa 10 m und mehr als zwei Kilometern schwanken. Die Spur eines Tornados am Boden kann nur wenige Meter lang sein, oder auch mehrere hundert Kilometer. Die Windgeschwindigkeiten liegen meist zwischen 100 und 200 km/h, in seltenen Fällen sind jedoch schon etwa 500 km/h erreicht worden.
Tornado in St. Margarethen, 1962
Dipl. Ing. W. Schreiner), St. Margarethen, 1962 Früher wurde für den Tornado im deutschsprachigen Raum in wissenschaftlichen Arbeiten meist der Begriff Großtrombe verwendet, der also ein Synonym darstellt. Die Begriffe Windhose und Radlwind, die in Österreich in der Umgangssprache gerne Verwendung finden, sind leider sehr uneindeutig und sollten daher möglichst nicht gebraucht werden. Oft werden damit nämlich auch Wirbelwinde bezeichnet, die keine Tornados sind, wie zum Beispiel die sogenannten Staubteufel. Solche kleinräumigen Luftwirbel stehen nicht in direkter Wechselwirkung mit einer Cumuluswolke und können mit dem Begriff Kleintromben zusammengefasst werden. Kleintromben sind „harmlose“ Erscheinungen, die selten Windgeschwindigkeiten von mehr als 80 km/h erreichen. Sie werden nur dann sichtbar, wenn sie Staub, Heu oder Wasser aufwirbeln, besitzen jedoch keinen Kondensationsschlauch und keine Verbindung zu einer Wolke. Sie entstehen meist über stark erwärmten Bodenflächen.
Tornado im Mürztal, 1911 Ist ein Hurrikan oder Taifun das gleiche wie ein
Tornado? Immer wieder werden die Begriffe Tornado, Wirbelsturm, Hurrikan und Taifun vermischt oder verwechselt. Der Begriff Wirbelsturm ist eine sehr allgemeine Bezeichnung und sagt daher nur wenig aus, denn auch die großen Tiefdrucksysteme über der Nordsee etwa sind Wirbel, also demnach oft Wirbelstürme. Hurrikans und Taifune sind dagegen Erscheinungen, die ausschließlich in den Tropen und Subtropen entstehen (im Gegensatz zu Tornados, die auch in viel höheren Breiten, zum Beispiel in Schweden, anzutreffen sind). Deshalb werden diese Erscheinungen auch mit dem Begriff tropische Wirbelstürme zusammengefasst. Die Bezeichnung für genau dasselbe Phänomen lautet in den Gewässern des Atlantik und Ostpazifik Hurrikan, im Westpazifik Taifun, bei Australien manchmal auch Willi-Willi, und im Indischen Ozean manchmal auch Zyklon. All diese Begriffe bezeichnen exakt dasselbe. Ein weiteres und viel markanteres Unterscheidungsmerkmal für den Laien ist jedoch der Größenunterschied: Während man einen Tornado als Wolkenschlauch mit dem eigenen Auge direkt beobachten kann, da er meist wenige 100 m im Durchmesser beträgt, sind die Ausmaße eines tropischen Wirbelsturms (Hurrikans, Taifuns, ...) im Bereich zwischen etwa 100 und 1000 km angesiedelt. Man kann den gesamten Wirbel also nur noch vom Satelliten aus betrachten. Die Windgeschwindigkeiten können in tropischen Wirbelstürmen bis knapp über 300 km/h erreichen, also etwas weniger als in Tornados. Die betroffenen Flächen sind bei tropischen Wirbelstürmen aber natürlich viel größer. Satellitenbild vom Taifun Podul
(im Pazifik bei Guam am 24.10.2001, Quelle: NOAA) Gibt es in Österreich Tornados? JA! In den meisten Regionen Österreichs (vor allem im Bergland) sind Tornados zwar extrem selten, es gibt allerdings mehrere Gegenden (oberösterreichischer Donauraum, Wiener und Grazer Becken z. B.), in denen Tornados immer wieder vorkommen, große Schäden anrichten können, und manchmal auch Menschenleben fordern. Wenn man ganz Österreich betrachtet, so gibt es statistisch gesehen 3 Tornados pro Jahr. Die Dunkelziffer dürfte allerdings vor allem bei schwachen Tornados beträchtlich sein. Die größte Wahrscheinlichkeit für Tornados ist während der Gewittersaison in den Sommermonaten vorhanden. Welcher war der bisher heftigste Tornado in Österreich? Der Tornado mit den größten Schäden und den meisten Todesopfern ereignete sich im Jahr 1916 in Wiener Neustadt. Ein ganzer Stadtteil, die „Josefstadt“, wurde verwüstet. 32 Menschen starben in den Trümmern, 328 wurden verletzt. Rekonstruktionen lassen auf Windgeschwindigkeiten von 300 km/h oder sogar noch etwas mehr schließen.
Wiener Neustadt, F3-Tornadoschäden 1916 Was ist die Fujita-Skala (F-Scale) und die Torro-Skala (T-Scale)? Da sich die Windgeschwindigkeiten in Tornados meist nicht direkt messen lassen, versucht man aufgrund von Beobachtungen und Schäden die Windstärke indirekt abzuschätzen. Es handelt sich dabei also um ein ähnliches Prinzip wie es z. B. bei der Erdbebenskala nach Mercalli-Sieberg verwendet wird. 2 Tornado-Skalen sind international in Verwendung, und zwar die amerikanische Fujita-Scale und die englische bzw. europäische Torro-Scale. Die europäische Torro-Scale löst doppelt so fein auf wie die F-Scale. In der folgenden Tabelle sind die beiden Skalen im Vergleich zu sehen:
Hinweis: Die Beschreibungen sind auf wenige Beispiele gekürzt. Referenzen zu den Originalquellen finden Sie unter den Links. Eine ausführliche FT-Skala finden Sie zum Beispiel hier! Es handelt sich um einen Auszug aus Hubrig, M., 2004: Analyse von Tornado- und Downburst-Windschäden an Bäumen. Forst und Holz, 59, 78-84. Wie kann man Tornados und „normale“ Gewitterböen
unterscheiden? Oft nur sehr schwer! Vor allem wenn man den Tornado nicht als solchen visuell erkennen kann, weil man mitten im Geschehen ist, oder weil heftiger Gewitterregen die Sicht nimmt, oder weil (wie in den meisten Fällen) nicht auf die Umgebung geachtet wird, dann lassen sich im Nachhinein die Geschehnisse nur schwierig rekonstruieren. Im Gegensatz zu den USA oder den Ebenen Nord- und Osteuropas gibt es bei uns aufgrund der stark gegliederten Landschaft auch nur ganz selten langlebige Tornados, die über weitere Strecken verfolgt werden können. Manche Fälle sind allerdings eindeutig, wenn etwa Gegenstände vor den Augen des Beobachters „Ringelspiel fahren“ oder die Schäden auf kleinstem Raum Ausmaße erreichen, die durch kein anderes Wetterphänomen erklärbar sind. Bei vielen österreichischen Tornadoberichten (z. B. beim Tornado von Litschau) wurde erwähnt, dass der oft dunkle Wolkenrüssel zunächst als Rauch missinterpretiert wurde, bis man sah, welche Gewalt dieser „Rauch“ besaß. „Normale“ Gewitterböen sind natürlich viel häufiger als Tornados und können ebenfalls große Schäden anrichten. Aufgrund der viel größeren Häufigkeiten solcher Gewitterstürme (englisch Downburst oder Microburst) ist auch der wirtschaftliche Schaden enorm. Sturmböen bei Gewittern können durchaus 150 km/h erreichen, manchmal auch noch etwas mehr. Gewitterböen kommen allerdings nicht an die Spitzenwerte heran, die bei heftigen Tornados beobachtet wurden.
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